Törnbericht 11

Von: Kanape
Crew: Karen und Peter

31. Juli ab Kalmar:

 

Wir machen die Erfahrung dass maximal 4 Tage Hafenliegezeit möglich sind. Dann fängt es an zu kribbeln und wir werden unruhig. Die Umgebung ist mit dem Fahrrad abgeklappert, die Museen bringen nur mit der örtlichen Historie noch mal was Neues und letztlich wollen wir auch so langsam in Richtung Heimat. Die miesen Wettervorhersagen zwingen uns dazu, jede Starkwind- und Regenlücke auszunutzen um ein paar Meilen in unsere Richtung gut zu machen. Da wir keine Nachtsegler und Ankerlieger sind suchen wir uns Strecken aus die am Ende einen, auch für die vorhergesagte Windrichtung, geschützten Hafen haben. Dieses Geständnis mag die Augenbrauen der Hardcore-Segler in die Höhe schnellen lassen, aber unser Schiff heißt nicht umsonst Kanape. Uns ist ein weiches Sofa lieber als ein harter nackter Felsen. Jedenfalls zur Nacht.

 

Wir verlassen also Kalmar und der günstige NNO bringt uns flott nach Bergkvarna. Und dann die Überraschung: die Wetterprognosen werden günstiger, der Wind bleibt östlich und es soll Sonnenschein geben. Wir wechseln die Fock gegen die Genua und hoffen dass jetzt der Sommer doch noch mal zurück kommt (wann war er denn mal da?)

 

Es geht in südlicher Richtung vorbei an Inseln und Buchten bis zur Rinne Ungskär. Hier schlängeln wir uns durch die oft unsichtbaren, dicht unter der Wasseroberfläche liegenden Felsen zur Westseite der Insel Utlängan, wo eine kleine Insel mit dem ehemaligen Fischereihafen Stenshamn uns aufnimmt. Das Dorf ist nur im Sommer bewohnt. Ein paar Einheimische harren auch im Winter aus. Sogar der Militärstützpunkt ist verweist.

 

Bei der Weiterfahrt bewahrheitet sich mal wieder, dass die Fahrwassertonnen nicht umsonst so heißen. Ich wollte eine Tonne schnippeln und prompt krachte es. Kanape legte sich schräge, es rumpelte ein paar Mal und zum Glück waren wir gleich wieder frei. Der Anpfiff von der Kapitöse war berechtigt.

 

Hasslö Garpa, unser nächstes Ziel, hat seinen Namen von den „bösen Deutschen“, so übersetzt sich nämlich der Name Garpa.

 

Und noch immer scheint die Sonne, unglaublich! Und so lassen wir uns weiter treiben durch die Blekinger Schären. Solche Tage lassen den Regen, den Nebel, den Sturm und die Kälte der vergangenen Wochen in den Hintergrund treten, und, Gott sei gedankt, ist man ja soooo vergesslich!

 

Rönneby-Karön, unser nächster Hafen, ist ein kleines Highlight. Der alte Badeort auf der kleinen Insel mit seinen im üppigen Grün versteckten Villen aus dem vorletzten Jahrhundert ist ein Blickfang. Ein Spaziergang auf verschlungenen Pfaden rund um die Insel zeigt uns seine ganze Schönheit.

 

Ein ausgiebiges Reykafressningar-Buffett (auf deutsch: Garnelen satt) in dem alten Badehotel schloss diesen schönen Tag ab.

 

Eine Kapelle sorgte für Musik und wir schwangen auch noch das Tanzbein.

 

In Karlshamn war dann das gute Wetter wieder vorbei. Aber der ruhige Väggahamn hat auch seine Reize, zumal hier eine weithin bekannte und beliebte Fischräucherei mit Restaurantbetrieb für kulinarische Abwechslung sorgte. Die Schweden verstehen es, den Hering auf die leckerste Art und Weise in Salate zu verwandeln.

 

Die Mutter einer deutschen Urlauberfamilie übersetzte ihren Kindern auf der Nachtischkarte „med sylt“ (mit Marmelade) mit Met wie Honig und Sylt wie die Insel, also Honig von Sylt, worüber sie sehr verwundert waren….wir auch.

 

Den nächsten großen Sprung, 48 sm ca 90 km, machten wir nach 4 Tagen Liegezeit bis Simmrishamn.

 

Natürlich kam der Wind aus SW, das heißt von vorne, und die Wellen werden bei 5 Windstärken auch ganz schön hoch in der Hanöbucht. Wir bekamen reichlich Wasser an Deck.

 

Es dauerte dann wieder 3 Tage bis wir weiter nach Ystad laufen konnten. Die Hafentage benutzen wir mal wieder für Schiffreinigung und Wäsche waschen.

 

Jetzt kam der Wind dann prompt aus West (also wieder gegenan) und wir lagen weitere 2 Tage fest.

 

Aber wir wollten den Sprung nach Dänemark und die Reise durch die dänische Südsee bis Marstal jetzt zügig machen, denn am 26. Aug. sollen Sissel und Jeana an Bord kommen, und da wollen wir nicht auf den letzten Drücker in Maasholm ankommen.

 

Also ging es über Rödvig nach Vordingborg, wo wir bei Masnedö den Kohlekorb für den Cobbgrill bekamen, den ich bei irgendeinem Grillabend liegen gelassen hatte.

 

Die Fahrt durch Smalands Fahrwasser und über den Großen Belt bescherte uns noch mal einen herrlichen Segeltag. 9 Stunden vor dem Wind mit Groß und Genua auf Schmetterling bei strahlendem Sonnenschein war der nackte Wahnsinn. Im wahrsten Sinne.

 

Im Belt entdeckte Karen einen treibenden Gegenstand. Die erste Vermutung, ein toter Schweinswal, entpuppte sich beim Näher kommen dann als…… Wasserleiche??

 

Wir hatten zu viele Krimis gelesen!!! Zum Glück doch nur ein totes Schaf.

 

Wir umrundeten die Nordspitze Langelands und machten in Lundeborg fest.

 

Mit einer tollen Rauschefahrt, mit Groß und Genua bei Wind aus SW mit 5bft, ging es am nächsten Tag endlang der Küste, durch die Rinne bei Rudköbing nach Strynö. Die überkommende Gischt ließ Salzkristalle auf dem Oberdeck zurück. Ein sicheres Zeichen das wir uns den heimischen Gewässern näherten. Der Salzgehalt ist bei Gotland fast nicht mehr zu schmecken, während hier jeder Spritzer einen Salzfleck hinterlässt.

 

Der kleine Hafen von Strynö ist renoviert und erweitert worden, so dass er mit dem neuen Sanitärgebäude und der nahegelegenen Ortschaft ein schönes Ausflugsziel bietet.

 

Heute, am 23.Aug, haben wir nach Marstal verholt und hoffen morgen auf guten Wind für eine ordentliche, abschließende Überfahrt nach Maasholm.

 

Wir haben dann gut 1000 sm geschafft und werden eine Zeit brauchen die Menge der Eindrücke zu verarbeiten. Bestimmt wird es wieder Fotobücher von der Reise geben und das ganz normale Leben wird uns schnell wieder eingeholt haben. Karens erste Termine warten schon, ich freue mich auf meine Aktivitäten im Sportverein und meinen Englischkurs, und wir beide sehnen uns nach unserem Zuhause. Wir freuen uns auf das breite Bett, das Kaminfeuer am Abend, auf die Familie und auf alle Freunde und Bekannte sowieso.

 

Am Montag den 29. Aug. sind wir wieder zurück!!

 

Es grüßen noch mal von Bord

 

die Kanape-Crew

 

Karen und Peter

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